Underwoodisaurus Milii
(Australischer Dickschwanzgecko)
Haltungsbericht
Aussehen:
Namensgebend für diese Gecko-Art ist der Schwanz – er ist breit am Ansatz und verjüngt sich dann zur Spitze hin. Der Körper ist leicht abgeflacht, und auffallend sind vor allem die sehr langen Beinchen. An den Spitzen der Zehen sitzen auseprägte Krallen, ein U. milii kann also auch ganz ohne Haftlamellen sehr gut klettern und tut dies auch gerne. Die zwei dunklen, voll-schwarzen Augen wirken wirken sehr groß und geben diesen Geckos ein noch süßeres Aussehen.
Es gibt nur wenige Farbgebungen. Die meisten Tiere haben als Grundfarbe ein rötliches oder auch helles Braun, der Kopf ist meist intensiver gefärbt. Die Bauchseite ist weiß oder cremefarben. Über die Körperoberseite verteilt sind entweder weiss oder goldfarbenen Punkte, die in Querbändern verlaufen. Im nacken und auf der Nase sind bei einigen Exemplaren auch noch hellere Bänder zu sehen. Ein Morph, der sich inzwischen entwickelt hat, ist der Underwoodisaurus milii Hypo, welcher gelblicher bzw. heller sind. Manche sagen, dass der Rücken der Tiere aussieht wie ein Sternenhimmel 😊
Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge (RL) von 8-10cm, und eine Gesamtgröße von 13 bis 16 cm. Der Schwanz ist also etwa halb so lang wie die KRL. Bei guter Haltung werden diese Geckos rund 10 Jahre alt.
Bei adulten Tieren lassen sich die Geschlechte relativ einfach unterscheiden: Die Männchen sind eindeutig durch ihre deutlich ausgeprägten Hemipenistaschen erkennen.
Natürliches Habitat:
Diese Geckos kommen aus Australien, und bewohnen die südliche Hälfte dieses Kontinents, in dem die Temperaturen deutlich niedriger sind als in anderen Gebieten Australiens. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Küsten vom südlichen Westaustralien bis hin zu den Küsten von New South Wales und Queensland (siehe Bild).
Dickschwanzgeckos sind grundsätzlich bodenbewohnend, klettern aber auch gerne auf felsiger Rückwand oder Ästen. Ihr Lebensraum ist sehr vielfältig, von sehr ariden, fesligen Gebieten im Landesinneren, bis hin zu feuchteren, offenen Strauch- und Waldgebieten an den Küsten. Es hat sich gezeigt, dass sie eine deutliche Vorliebe für kühlere Bereiche haben und hohe Temperaturen meiden, indem sie tief gelegene, kühle Verstecke aufsuchen. Sie brauchen also viel Deckung, durch Steine, Äste und dergleichen. Milii sind dämmerungs- und nachtaktiv, um die Hitze des Tages zu vermeiden.
Bilder: Eine Sammlung von Bildern des natürlichen Habitats. Sowohl strauchige Waldgegenden, als auch aride Felsengebiete zählen zu den natürlichen Habitaten. ©www.innaturalist.com und www.geckotime.com
Wenn ihr mehr Bilder vom natürlichen Habitat sehen wollt, könnt ihr hierhin schauen:
http://reptilesofaustralia.com/lizards/geckos/nmilli.htm#.YaNiIboo-Uk
Hier anhand von zwei Beispielen die Klimadaten in ihrem Verbreitungsgebiet:
Mount Kaputar National Park, NSW
(Sellicks Hill, Nähe Adelaide)
Haltung im Terrarium:
Hier findet man im Internet verschiedene Angaben, welche ich nicht ganz teilen kann. Diese werden beispielsweise mit 70x50x50 für 1.1 genannt. Dieses erscheint mir zu klein, da das Weibchen dann keine Möglichkeit hat, sich zurück zu ziehen. Für ein einzelnes Tier oder 2 Weibchen finde ich die Maße passend.
Eine Gruppe von 1.3 würde/werde ich auf 150x60x60 halten. Somit haben die Mädels die Möglichkeit, dem Männchen etwas aus dem Weg zu gehen. Merkt man jedoch, dass man ein sehr paarungsfreudiges Männchen hat, der die die Mädls absolut nicht in Ruhe lässt, würde ich das Männchen nur 1 Monat bei den Mädls halten und dann einzeln setzen. Wenn die Mädls nicht zur Ruhe kommen können, begünstigt dieses verschiedene Probleme wie z.B. Futterverweigerung, Unruhe bei der Eiablage und eventuelle Legenot usw.
Als Bodengrund verwende ich gerne ein Sand/Lehm-Gemisch oder den Stone Desert von Exo Terra, und würde diesen auch empfehlen. In der Literatur wird auch oft ein Sand-Erde Gemisch genannt, das dem eher strauchigen/waldigen Verbreitungsgebiet entspricht, dies habe ich jedoch nicht selbst ausprobiert und kann es daher nicht aus eigener Erfahrung empfehlen.
Je nach Grösse des Terrariums benötigt man eine Wärmelampe, welche punktuell auf und gefähr 29 bis 30 Grad wärmt. Wie bereits erwähnt, mögen diese Geckos es nicht so heiß wie beispielsweise Leopardgeckos. In ihrem Verbreitungsgebiet wird es nicht so heiß und selbst dann verkriechen sie sich tagsüber lieber – bei höheren Temperaturen fühlen sie sich sichtlich unwohl. Ein Temperaturfälle ist somit sehr wichtig. Auf der kühlen Seite habe ich rund 23 Grad, hier sollte es auch nicht wärmer sein, da sie sonst keinen Rückzugsort haben. Ideal ist hier eine Halogen-Wärmelampe wie etwa die Halogen Sun Mini von Lucky Reptile – bitte keinesfalls eine starke UV Lampe hie verwenden! Diese könnte zu schlimmen Verbrennungen führen!
Als Grundbeleuchtung kann man eine LED Lampe verwenden, die nicht viel zusätzliche Wärme abgibt, oder eine T8 oder T5 Röhre, die noch natürlicheres Licht erzeugt. (Bitte darauf achten, dass so eine Röhre nur UVA hat! Starkes UVB kann den Tieren potentiell schaden!)
Die Beleuchtung (Grundbeleuchtung und Wärme) laufen 12 Stunden pro Tag.
Ausgestattet ist das Terra mit einer in 3D felsartigen Rückwand, auf der sie viel klettern können. Dies erweitert den Bewegungsradius enorm. Dazu kommt viel Holz wie z.B. Korkröhren, Korkrinden und auch Äste, und auch andere Elemente wie Trockengras, verschiedene Wetboxen, Höhlen, eine Schale mit Wasser und eine Schale mit Calcium.
Eine zumindest 6-wöchige Winterruhe ist sehr wichtig für Körper und Fortpflanzung. Wie bei den Leopardgeckos auch wird das Futter zuerst eingestellt und die Beleuchtung auf 10 Stunden reduziert für 2 Wochen. Danach wird weiter schrittweise sowohl die Wärme als auch die Beleuchtung runter gefahren, bis man bei 0 angekommen ist. Die Tiere verbringen dann 2 Monate bei einer Temperatur zwischen 17 und 19 Grad. Nach Ende dieser Zeit wird schrittweise wieder nach oben gefahren. Dies entspricht der natürlichen Lebensweise der Tiere und imitiert den australischen Winter. Diese Ruhephase ist sehr wichtig für die Gesundheit der Tiere. Ich führe diese Winterruhe von Oktober bis Jänner durch (mit Ein- und Ausleitung), an unsere Jahreszeiten angepasst.
Futter:
Milii sind ausgezeichnete Jäger und lieben es, verschiedene Insektenarten zu erbeuten. Ich füttere gerne Heuschrecken, Grillen, Schaben als Basisfutter, Seidenraupen auch mal als gesundes Leckerli zwischendurch und selten Wachsmaden und Mehlwürmer zur Abwechslung, aber davon nie viele. Abwechslung ist sehr wichtig, genauso wie die Bestäubung mit geeigneten Produkten. Ich verwende gerne die Produkte von Repashy. Hier kann man bei adulten Tieren 1x/Monat das Calcium Plus verwerwenden (Orange) und 2x/Monat das Calcium D3 (Pink), um eine gute Versorgung zu gewährleisten.
Nachzuchten:
Nach erfolgreicher Verpaarung legen U. milii meistens zwischen 3 und 5 Doppelgelege über die Zuchtsaison hinweg.
Laut Literatur ist das Geschlecht der Schlüpflinge Temperaturabhängig. Bei einer Inkubationstemperatur von ungefähr 25 Grad sollen überwiegend Weibchen schlüpfen. Bei einer Temperatur von rund 27 bis 28 Grad meistens Männchen. Ich habe heuer das erste Jahr Nachzuchten und dies bei rund 25 Grad inkubiert. Ob diese Angaben bezüglich Geschlecht und Inkubationstemperatur wirklich stimmen, kann ich euch sagen, sobald das Geschlecht bestimmt werden kann.
Die Inkubationszeit liegt je nach Temperatur zwischen 60 und 80 Tage.
Aufzucht von Schlüpflinge:
Die Aufzucht der Babys läuft grundsätzlich genauso ab wie die Haltung der Adulten, nur alles kleiner Dimensioniert (und U. milii Babies sind wirklich sehr klein, die Futterinsekten müssen also entsprechend gekauft oder selbst gezüchtet werden!)
Ich ziehe meine Schlüpflinge in Plastikboxen mit den Maßen 40x30 jeweils zu zweit auf. Eingerichtet sind diese Boxen mit Zewa als Bodengrund, Wetboxen mit feuchten ZEWA, Höhlen, Korkrinde und Korkröhren, Wasser und Calcium.
Diese Box steht zu einem Drittel auf einem Heizkabel und erreicht dadurch eine Temperatur auf der warmen Seite von rund 27 bis 28 Grad. Gefüttert wird genauso wie die Adulten jedoch die Micro bzw. später die Mini-Ausführung😊
Geschlechter sollten ab etwa. 6 Monaten bestimmt werden können – natürlich werden Männchen und Weibchen getrennt aufgezogen, sobald eine Geschlechtsbestimmung möglich ist, und sich ein vermeintliches Mädchen dann doch als Bub entpuppt!
Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr euch gerne an die Gruppen-Admins/Moderatoren wenden!